Bayerns Meisterwerke. Eine Gesprächsreihe auf Bayern 2.

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Diesem Grundsatz folgend, führte mich eine kleine Tagesreise nicht ins europäische Ausland, sondern in die schöne Reichsstadt Augsburg. Mein Ziel ist das prächtige Schaezlerpalais. Ab 1764 im Auftrag des Freiherrn Benedikt Adam von Liebert errichtet, beherbergt dieser Palast ein einzigartiges Kleinod. Der im ersten Stockwerk liegende, atemberaubend elegante Rokokofestsaal wurde zu Ehren der Kaisertochter Maria Antonia geschaffen, die auf ihrer Brautfahrt von Wien nach Versailles in Augsburg Station machte. Die künftige Gattin Ludwigs XVI. wurde hier mit nur allem erdenklichem Prunk empfangen. 

Jene für die später so glücklose französische Königin gestalteten Räume und Festlichkeiten zeugen von der großen Dependenz zwischen Augsburger Geld und Habsburger Macht, die eine lange Tradition hat. In der Person des Jakob Fugger, der bereits von seinen Zeitgenossen den Beinamen „der Reiche“ erhalten hatte, versinnbildlicht sich die Nähe und gegenseitige Abhängigkeit von Kaufmannsvermögen und Fürstenherrschaft par excellence. Sein von Albrecht Dürer geschaffenes Bildnis befindet sich heute in der dem Schaezlerpalais angegliederten Staatsgalerie in der Katharinenkirche.

Der Nürnberger Künstler war anlässlich des Augsburger Reichstages von 1518 angereist und porträtierte mit Jakob Fugger nicht nur den reichsten Mann der damaligen Zeit, sondern auch einen der einflussreichsten. Mit kaum vorstellbaren Summen unterstützten die Fugger die Herrschaft der Habsburger. Im Gegenzug wuchsen mit kaiserlicher Förderung die Umsätze der Handels-, Bank- und Montangeschäfte der Unternehmerfamilie in schwindelerregende Höhen. Nach heutiger Kaufkraft entsprach das Vermögen Jakob Fuggers 300 Milliarden US-Dollar. 

Das Porträt präsentiert ihn auf dem Zenit seiner Macht. Entschlossen geben die markanten Wangenknochen dem Männergesicht seine Kontur. Konzentriert blicken die Augen in die Ferne. Konzise und dicht zeigt das Bruststück den Dargestellten in leichter Dreiviertelansicht vor monochromem himmelblauen Hintergrund. Eher reduziert sind das weiße Hemd und die pelzbesetzte schwarze Schaube wiedergegeben. Lediglich die aufwändig, sogar mit Spuren von Blattgold versehene Haube, zeugt vom Reichtum des Porträtierten.

Vermutlich stellt dieses, auf dünner Leinwand ohne Grundierung und Firniss gemalte Bild den Entstehungsschritt zwischen einer in Berlin befindlichen Porträtzeichnung und einem heute verschollenen Ölbildnis dar. Tüchleinmalerei, wie diese Technik auch genannt wird, war zu jener Zeit sehr beliebt. Dürer nutzte häufig die Vorteile der schnell und kostengünstig herzustellenden Gemälde, die außerdem leicht zu transportieren waren. Auch das heute in Wien aufbewahrte, ebenfalls anlässlich des Reichstags zu Augsburg 1518 entstandene, repräsentative Porträt Kaiser Maximilians bereitete Dürer durch ein Tüchlein vor. So konnte dem Auftraggeber bereits vorab eine Vorstellung des fertigen Gemäldes geliefert, ein etwaiger Änderungswunsch aber noch umgesetzt werden. Als einer der ersten Herrscher seiner Zeit hatte der Habsburger die große Wirkmacht von Porträts sehr klug erkannt. So war Maximilian überzeugt, dass wer sich im Leben kein Gedächtnis macht, mit dem Glockenton vergessen sei.

Wie gut, dass dank Dürers Kunstfertigkeit dieses Schicksal weder den Milliardär Fugger noch seinen Kaiser Maximilian ereilt hat.

 

Zur Autorschaft und Datierung des Fugger Porträts siehe die ausführliche Forschungsdiskussion bei:

Gisela Goldberg, Bruno Heimberg, Martin Schawe: Albrecht Dürer. Die Gemälde der Alten Pinakothek. Heidelberg, 1998. S. 462-477.

 

Bayerns Meisterwerke. Eine Gesprächsreihe auf Bayern 2.

Sendetermin 9. September 14:05 Uhr / 20:05 Uhr KulturLeben