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Gedanken zur Ausstellung GLANZSTÜCKE im Museum für Angewandte Kunst in Wien

Maison Van Cleef & Arpels, MAK Wien

Exzellenz als Leitgedanken zu formulieren klingt in Zeiten stetiger Vereinfachung, verbreiteter Bequemlichkeit und pragmatischer Funktionalisierung aller Lebensbereiche äußerst verführerisch. Die hochästhetische Umsetzung dieses Ziels in der Ausstellung GLANZSTÜCKE im Wiener MAK übertrifft aber noch die kühnsten Erwartungen. Welch überbordende Fülle an Schönheit sich in den sechs Abteilungen der so fein und elegant kuratierten Schau dem staunenden Betrachterauge darbietet – darauf ist man nicht gefasst. Die 1906 an der Place Vendôme in Paris aus der Verbindung von Esther Arpels und Alfred Van Cleef entstandene Maison sowie das Museum für Angewandte Kunst in Wien haben für einen einmaligen Ausstellungsmoment ihre bedeutendsten und raffiniertesten Stücke zu einem funkelnden Gipfeltreffen zusammengeführt. Subtil geleitet ein Parcours, der sich als Einladung zu einer Traumreise durch ein Labyrinth der Wunder versteht, durch die thematisch gegliederten Abteilungen. Die Ausstellungsarchitektur ist so gekonnt angelegt, dass das Erleben weit über das reine Sehen hinauswächst. Es entwickelt sich zu einer Verständnis stiftenden Wahrnehmung, die noch lange nachhallen wird.


Bereits der Dialog des Eingangsmotiv zeigt die Verbindung von naturgegebener Goldschönheit und größter handwerklicher Brillanz, die sich in allen Facetten als mannigfaltiges Leitmotiv durch die gesamte Ausstellung zieht. Exemplare der so staunenswerten wie innovativen Zip-Kette, einem Collier, das mittels einer Reißverschlussmechanik in unterschiedliche Form gebracht werden kann, sowie ein goldreich schimmernder Paravent aus dem frühen 20. Jahrhundert begrüßen die Eintretenden. 1906 hatten Künstler der Wiener Werkstätte diesen Wandschirm angefertigt. Der Buchbinder Karl Beitel war für die Gestaltung zuständig, Therese Trethan für die exquisite Malerei der drei so überaus kapriziösen Damen. Diese wären sicherlich nicht abgeneigt, legte man ihnen eine der Zip-Ketten auf die zarten Dekolletés.

Die Sehnsucht nach fernen Ländern bestimmt die Exponate der ersten Abteilung. Teppich- und Vasenkunst trifft auf umwerfende Schmuckstücke, die Van Cleef & Arpels in Anlehnung an exotische Reiseziele geschaffen hat. Vielleicht das schönste Beispiel ist die aus unterschiedlichen Farbedelsteinen, Diamanten und Gold gefertigte Izmir-Kette aus der Haute Joaillerie Collection „Bals de Légende“. Sie ist eine Hommage an den opulenten Bal Oriental des Baron Alexis de Redé, den dieser 1969 im Hôtel Lambert in Paris veranstaltete.


Das Funkeln in den Vitrinen ist atemberaubend. Klug werden die Preziosen stets in einen weitreichenden Zusammenhang gesetzt. Erst durch diese Gegenüberstellung verdeutlicht sich der Anspruch der hohen Juwelierskunst, nicht nur Schmuck zu erschaffen, der einer erlesenen Erwartung entspricht, sondern auch den jenseits des Materiellen liegenden Wert durch die Korrespondenz mit den Museumsstücken aufs Schönste zu steigern. Dieser Erkenntnisreichtum wird von der Ausstellung in vielfältiger Weise aufgefächert. Eine von der Ästhetik der asiatischen Gartenkunst inspirierte Kette tritt in Dialog mit einem den Winter thematisierenden japanischen Paravent. In einer anderen Vitrine leuchten die Farben Süditaliens in ganz unterschiedlichen Kontexten auf. Die kräftigen Türkise einer Halskette werden vor einem Werbeplakat für Neapel aus dem Jahre 1948 präsentiert.

Der Reiseinspiration folgen die eher grafisch gestalteten Objekte, die sich an der Architektur ein Vorbild genommen haben. Ein gestanzter Henkelkorb von Josef Hoffmann mit quadratisch klein gesetztem Muster wird in Dialog gesetzt zu einem der ersten Armbänder, das in der sogenannten Mystery-Set-Technik entstanden ist. Winzige eckig geschliffene Rubine wurden wie durch Zauberhand, scheinbar ohne Fassung auf den Platinschienen befestigt. Es ist eine vom Haus Van Cleef & Arpels patentierte Technik, deren Erlernen mehr als zehn Jahre in Anspruch nimmt, bis sie vom Goldschmied in Perfektion beherrscht wird.


Auf die Strenge der geometrischen Form folgt das Leichte und Tänzerische. Eine ganze Abteilung ist der Inspiration durch die Bühnenkunst gewidmet. Fächer, Abendroben und platinfarbene Brillen mit Diamantbesatz, für den diskreten Blick in der Oper, funkeln miteinander um die Wette, während die grazilen Ballerinen in Broschenform sie leichtfüßig umschweben.


Von der Natur – der größten Künstlerin überhaupt – inspirierte Formen schließen eine so prachtvolle wie elegante Ausstellung, die in ihrer Kostbarkeit, ihrer handwerklichen Präzision und ihrem visionären Ideenreichtum einzigartig ist. Mit glanzvoll aufleuchtenden Edelsteinen malen die Goldschmiede den Farbenreichtum filigraner Blumen nach. Rubinrot, Smaragdgrün, Saphirblau konkurrieren mit den anmutigen Zeichnungen und Stoffentwürfen aus dem Bestand des Wiener Museums. Schwer nur könnte man sich entscheiden wer diesen Wettstreit gewinnt.


https://www.mak.at/programm/ausstellungen/glanzstuecke

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