Gute Kunst? Wollen!

Eine kritische Untersuchung der SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin (auf AEG September 2015)

Was ist „gute Kunst“? Kann diese Frage überhaupt gestellt, oder gar beantwortet werden? Im Laufe der letzten fünf Jahrhunderte haben sich unterschiedliche Beurteilungskriterien herauskristallisiert. Besitzen diese heute noch Gültigkeit oder zählen vielmehr andere Faktoren wie Glamour und Kunstmarktpräsenz?
 

Auf 6000 Quadratmetern werden Alte Meister und zeitgenössische Kunstwerke aus der Soer Rusche Sammlung gezeigt. Die in Zusammenarbeit mit der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg kuratierte Ausstellung lädt dazu ein die so verschiedenen Exponate auf eine allgemeine, theoretische Probe zu stellen.

  1. Reicht „Kunst können“ aus, um ein gelungenes Kunstwerk zu schaffen? Sind es offensichtliche, handwerkliche Fähigkeiten, beispielsweise ein perfektes Beherrschen bestimmter Techniken, wie das täuschend echte Nachahmen der Natur, die zu einem qualitätvollen Kunstergebnis führen?
     

  2. Oder verstellen diese eher den Blick auf die Intention des Künstlers, sein „Kunst wollen“, das stets den Ausgangspunkt darstellt. Ist die Idee, der kreative, geistige Prozess nicht das Ureigenste und Eigentliche eines jeden künstlerischen Schaffensprozesses?
     

  3. Erwarten wir heute von einem Kunstwerk noch, dass es schön ist? Oder verweigern wir uns lieber einer Ästhetik, die doch stets das Risiko des Kitsches in sich birgt? Gibt es „Kunstschönheit“ ohne die Gefahr der belanglosen Gefälligkeit?
     

  4. Gilt nicht vielmehr „Innovation“ als Qualitätskriterium gerade in unserer Zeit, in der doch alles bereits schon einmal da gewesen zu sein scheint? Wie kann sich ein Kunstwerk heute noch auszeichnen, dass es etwas Neues, völlig Überraschendes schafft?
     

  5. Ist das Kennzeichen großer Kunst ihre „Diskurswürdigkeit“? Bedarf es einer gesellschaftlichen Relevanz? Ist es der skandalöse Tabubruch oder ein politisch brisanter Beitrag, der die öffentliche Diskussion befördert, eingefahrene Handlungsmuster in Frage stellt und den Betrachter zum Nachdenken zwingt?

 

Erweisen sich diese Kriterien heute noch als sinnvoll? Helfen sie bei der Bewertung von Kunstwerken? Ausstellungsbesucher dürfen sich selbst als (Kunst)kritiker üben, ein Urteil bilden und den Daumen heben oder senken.